Die großen US-Filmstudios bringen immer mehr Filme gleichzeitig zum Kinostart auch auf DVD heraus. Obwohl der Wachstumsboom bei DVDs eigentlich vorbei ist, setzt Hollywood zunehmend auf die direkte Vermarktung im physischen Handel.
Filmstarts auf DVD finden sich besonders im Low-Budget-Bereich und in Segmenten mit spezifischem Publikum. War das so genannte “Direct-to-DVD”-Geschäft früher vor allem bei Filmen üblich, die nicht gut genug für den großen Kinostart waren, so entdecken jetzt auch immer mehr Top-Filmemacher das Verkaufsmodell für sich.
Breitet sich Trend tatsächlich weiter aus, könnte dies zur ernsthaften Konkurrenz für Kinobetreiber werden. Die Kinos sind wenig interessiert daran, sich Filmstarts mit dem DVD-Handel zu teilen. Im Gegensatz zu den USA scheint die Thematik in Deutschland derzeit allerdings gar keine Rolle zu spielen. “Hierzulande gab es bisher eigentlich noch keinen Fall, in dem der parallele Filmstart auf DVD versucht wurde. Verschiedene Studien belegen, dass ein solches Vorgehen wirtschaftlich gesehen gar nicht sinnvoll ist”, sagt Thomas Negele, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF) http://www.hdf-kino.de, im Gespräch mit pressetext. Und gebe es die Entwicklung, so wäre wohl bitte mit heftigem Widerstand seitens der Kinobetreiber zu rechnen, fügt Negele hinzu.
In der Vergangenheit gab es auch in den USA bereits Fälle, in denen sich Filmtheater weigerten eine Produktion auf die Leinwand zu bringen, wenn diese gleichzeitig als DVD auf den Markt geworfen wurde. Für die Filmemacher wiederum scheint sich die DVD derzeit als lohnendes Marketinginstrument zu präsentieren. Laut Untersuchungen von Adams Media Research ist die Zahl der DVD-Filmstarts von 430 im Jahr 2004 auf 630 im Jahr 2006 gestiegen, berichtet das Wall Street Journal.
Filmstudios wie zum Beispiel Warner Bros. zeigen bei der unmittelbaren DVD-Vermarktung durchaus auch Kreativität und Experimentierfreude. Eine Idee sind etwa DVDs, die verschiedene Storylines beinhalten, wo der Zuschauer selbst aus unterschiedlichen Enden, eines auswählen kann. Negele glaubt jedoch nicht an den Erfolg der simultanen Filmstarts. “Damit würde man das Publikum vor eine Entweder-Oder-Entscheidung stellen und eigentlich keinen zusätzlichen Gewinn einfahren. In Deutschland hat man das Aufheben der Fenster zwischen Kinostart und DVD-Release immer für schädlich gehalten.” Wenn Kino nicht funktioniert, funktioniere auch DVD nicht. Der starke Preisverfall bei DVDs könne durch eine Verkürzung des Fensters jedenfalls nicht aufgehalten werden. “Vielmehr müsste man sich Gedanken über falsche Händlernetze machen, weil die Märkte nicht am Produkt Film und seiner Wertigkeit interessiert sind, sondern am Verkauf elektronischen Equipments”, meint Negele.
Aussender: www.pressetext.de