Fritz Raff, ARD-Vorsitzender, und Nikolaus Brender, ZDF-Chefredakteur äußern sich zur Tour de France 2008, die von Samstag, den 05. Juli bis Sonntag, 27. Juli 2008 stattfindet:
Neben Fußball-EM, Olympischen Spielen und Paralympics bietet der Sportsommer 2008 ein weiteres Großereignis: die Tour de France. Mit der Entscheidung, die Tour auch 2008 live in ARD und ZDF zu übertragen, folgen die beiden öffentlich-rechtlichen Programme ihrem publizistischen Auftrag. Wir setzen den 2006 begonnenen Paradigmenwechsel fort: von einer eher ergebnisorientierten Sport-Berichterstattung hin zu einer stärker journalistisch akzentuierten, hintergründigen Form, die nicht auf Live-Übertragungen der Etappen verzichtet. Wir bleiben in der Rolle des Berichterstatters, zu dessen Auftrag es gehört aufzuklären. Nach den Dopingskandalen der vergangenen Jahre und dem Ausstieg aus der Live-Berichterstattung 2007 begrüßen wir das Umdenken im Radsport. Diese Entwicklung wird vom Veranstalter der Frankreich-Rundfahrt vorangetrieben: Tour-Direktor Christian Prudhomme setzt auf einen „menschlicheren“ Etappenverlauf für die diesjährige Strecke. In Zusammenarbeit mit der französischen Regierung und dem Französischen Radsportverband werden unter Prudhommes Leitung Kontroll-Maßnahmen verbessert, der Strafenkatalog verschärft.
Der Kampf gegen Doping muss auf vielen Ebenen weiter geführt werden. Es gibt aber auch jetzt schon eine Reihe guter Ansätze und positiver Signale bei einigen nationalen Verbänden, bei verschiedenen Veranstaltern und im Fahrerlager. Dies ist auch auf den steigenden Druck zurückzuführen, den ARD und ZDF mit dem Tour-Ausstieg 2007 aufgebaut haben. Die Ausweitung der Berichterstattung über Doping im Radsport und in anderen Sportarten – Stichworte: Aufklärung und Prävention – hat ebenso dazu beigetragen.
Wenn bei den sportlichen Großereignissen dieses Sommers die Rede davon ist, nah an den Sportlern, dicht an den Wettkämpfen zu sein, dann schließt das eine kritische Würdigung der Leistungen der Sportlerinnen und Sportler ein: mit gründlicher Recherche und Hintergrundberichten. Auf die Ausstrahlung packender Wettkämpfe, auf Spannung und Emotion, auf „schöne“ Bilder aus unserem an Kunst und Kultur reichen Nachbarland Frankreich werden wir dabei nicht verzichten.
In 80 Stunden von Brest nach Paris – so lange dauern die addierten Live-Sendungen von ARD und ZDF von der Tour de France 2008. An den 21 Sendetagen wechseln sich die beiden Programme wieder ab: Der Auftakt mit der ersten Etappe von Brest nach Plumelec ist im ZDF, die Schlussetappe nach Paris im Ersten zu sehen. Die ARD wird als Gesamtfederführer diesmal an 10, das ZDF an 11 Tagen direkt aus Frankreich (und vom kleinen Abstecher in die italienischen Alpen) berichten.
Zu den Live-Übertragungen, die in der Regel nach den 14.00 Uhr-Nachrichten beginnen, kommen Beiträge in den Nachrichten- und Sportregelsendungen sowie Zulieferungen für verschiedene Magazine – vom Morgenmagazin bis zu den Spätnachrichten. Dadurch ist eine umfassende Information der Zuschauerinnen und Zuschauer gewährleistet.